NP Una im Winter — wenn der Park ruhig wird
Winterbesuch im Nationalpark Una: Was Outdoor-Sportler zwischen November und Februar erwartet
Autor: Stefan Walder
Warum ich den Una-NP im Winter jedem Sommerbesucher empfehle
Ich war im Juli 2023 zum ersten Mal am Štrbački Buk — und bin um 7:30 Uhr morgens angekommen, weil mir ein Ranger beim Eingang Gorjevac geraten hatte, früh zu kommen. Trotzdem standen schon drei Reisebusse auf dem Parkplatz. Das türkisgrüne Wasser der Una war spektakulär, keine Frage. Aber die 24,5 Meter hohe Doppelkaskade zwischen Selfie-Sticks zu fotografieren ist eine andere Erfahrung als das, was ich im Januar 2025 erlebt habe.
Zweiter Besuch, Mitte Januar. Eingang Gorjevac, kein anderes Auto. Der Ranger am Kassenhäuschen — es war Edin, er führt das Kassenhäuschen seit Jahren — sagte mir: "Im Winter kommen manchmal drei Leute am Tag." Ich war an diesem Tag der einzige.
Der Štrbački Buk im Januar: Eisränder an den Travertin-Barrieren, Wasserdampf über dem Becken, kein Lärm außer dem Rauschen des Wassers. Die Una selbst führt im Winter oft mehr Wasser als im August, wenn Rafting-Saison ist. Das Türkis ist intensiver, weil weniger Schwebstoffe im Wasser sind. Das ist kein Marketingtext — das ist Hydrologie.
Was im Winter tatsächlich offen ist — und was nicht
Ehrlich vorab: Der NP Una ist kein Ganzjahres-Infrastruktur-Park wie die Plitvice. Im Winter reduziert sich das Angebot deutlich. Das ist keine Kritik, das ist Realität, die du kennen musst, bevor du buchst.
- Eingang Gorjevac (Štrbački Buk): In der Regel ganzjährig besetzt, aber Öffnungszeiten im Winter kürzer — vor Ort prüfen oder beim Parkbüro in Bihać anfragen (Stand 2025: NP Una Bihać, Tel. +387 37 225 255). Eintritt ca. 5 KM (Stand 2025, vor Reise prüfen).
- Eingang Lohovo (Bihać-nah): Zugänglich, aber kein Kassenpersonal im Winter. Wanderwege entlang des Flussufers oft ohne Schneeräumung.
- Martin Brod / Milančev Buk: Der 54-Meter-Wasserfall ist auch im Winter erreichbar, die Straße von Bihać über Kulen Vakuf nach Martin Brod (~50 km) kann bei Schneefall problematisch werden. Winterreifen-Pflicht gilt in BiH vom 1. November bis 1. April — Schneeketten mitführen ist Pflicht.
- Rafting-Anbieter: Alle geschlossen. Die Saison läuft März bis Oktober.
- Restaurants und Pensionen: Stark reduziert. In Kulen Vakuf und Bihać gibt es ganzjährig offene Unterkünfte, im Park selbst ist vieles zu.
Mein Rat: Bihać als Basis wählen. Die Stadt hat das ganze Jahr über Unterkünfte, Supermärkte und — wichtig — Geldautomaten. Im Park selbst gibt es im Winter keine Möglichkeit, Bargeld zu bekommen. Konvertibilna Marka (BAM) mitnehmen, 1€ = 1,95583 KM.
Die Travertin-Barrieren im Winterlicht — was Wanderer sehen
Was den Una-NP geologisch einzigartig macht, ist das Travertin-System: Kalkstein-ablagernde Algen bilden über Jahrhunderte Barrieren im Flussbett, die Kaskaden und Becken erzeugen. Im Sommer ist das unter Wasser und Touristen begraben. Im Winter liegt das System frei.
Die Travertin-Terrassen zwischen Štrbački Buk und dem Eingang Gorjevac sind im Winter mit Reif überzogen, wenn die Temperaturen nachts unter null fallen. Ich habe das im Januar 2025 bei -4°C morgens fotografiert — das Licht zwischen 8:30 und 10:00 Uhr ist seitlich und warm, die Travertin-Stufen werfen lange Schatten. Für Outdoor-Fotografen ist das die beste Zeit des Jahres.
Wichtig: Die Wege entlang der Barrieren können bei Frost rutschig werden. Ich trage im Winter am Una grundsätzlich Grödel — leichte Spikes, die man über normale Wanderschuhe zieht. Das klingt übertrieben für 400 Meter Höhe, aber nasse Travertin-Platten mit Eisfilm sind keine Kleinigkeit.
Wildlife im Winter: Wolfsspuren, Fischadler, Otter
Der Una-NP beherbergt nach Angaben der Parkverwaltung Bär, Wolf und Luchs. Im Sommer sieht man davon praktisch nichts — zu viel Betrieb, zu viel Lärm. Im Winter ändert sich das.
Wolfsspuren im Schnee entlang des Unapfades zwischen Gorjevac und Štrbački Buk sind keine Seltenheit. Im Januar 2025 habe ich auf dem Weg zurück vom Wasserfall eine frische Spur gesehen — Trittmuster, Schrittlänge, die Fußbreite: eindeutig Wolf, kein Hund. Der Ranger Edin bestätigte mir später, dass ein Rudel das Gebiet südlich des Eingangs regelmäßig nutzt.
Was viele nicht wissen: Die Una ist eines der wichtigsten Fischadler-Überwinterungsgebiete in der Region. Die Vögel folgen dem Fluss, weil er auch im Winter offenes Wasser hat. Ich habe im Januar zwei Fischadler über dem Becken unterhalb des Štrbački Buk kreisen sehen — das war ein Moment, der mit keinem Sommer-Rafting-Erlebnis vergleichbar ist.
Flussotter sind ebenfalls im Una-System nachgewiesen. Sichtungen sind selten, aber im Winter, wenn das Ufer wenig begangen wird, erhöht sich die Chance. Frühe Morgenstunden, ruhiges Gehen, keine Musik aus dem Handy.
Winterwandern im NP Una — was geht, was nicht
Ich habe für mein Buch Bosnien-Trails (Bergverlag Rother, 2024) alle markierten Wanderwege im Una-NP begangen. Im Winter reduziert sich das sinnvolle Angebot auf wenige Routen.
Route 1: Gorjevac – Štrbački Buk (Rundweg, ca. 4 km, 80 Hm)
Der Klassiker, auch im Winter machbar. Gut markiert, wenig Höhenmeter, Wegebeschaffenheit meist unproblematisch außer bei starkem Schneefall. Gehzeit ca. 1,5 Stunden für den Rundweg. GPS-Startpunkt Eingang Gorjevac: ca. 44°37'N, 16°00'E.
Route 2: Lohovo – Una-Ufer Richtung Bihać (ca. 6 km einfach)
Flacher Uferweg, ideal wenn Schnee liegt und man keine Steigungen will. Der Weg ist nicht immer geräumt, aber bei 10–20 cm Schnee gut begehbar. Keine Einkehrmöglichkeit im Winter.
Route 3: Martin Brod – Milančev Buk (ca. 2 km, 40 Hm)
Kurze Route zum zweitgrößten Wasserfall des Parks (54 m). Die Anfahrt nach Martin Brod ist das eigentliche Abenteuer im Winter — die Straße über Kulen Vakuf ist kurvenreich und bei Schnee ohne Winterreifen nicht zu empfehlen. Wer ankommt, hat den Wasserfall für sich allein.
Was ich nicht empfehle: Längere Bachquerungen oder Wege abseits der markierten Routen. Einige Wege im Parkinneren sind im Winter nicht markiert oder die Markierungen unter Schnee. BHMAC-Minenwarnung gilt weiterhin für das gesamte Land: Wege niemals verlassen, besonders in unbekanntem Gelände. Die BHMAC-Karte (bhmac.org) zeigt die aktuellen Verdachtsflächen — für den Una-NP-Kernbereich gilt das Risiko als gering, aber außerhalb der markierten Wege bleibt Vorsicht geboten.
Wann genau lohnt sich der Winterbesuch — die wenigen guten Tage
Der Titel dieses Artikels ist bewusst gewählt: Es gibt im Winter wenige wirklich gute Tage im Una-NP. Nicht jeder Wintertag ist ein Erlebnis.
Was ich nach meinen Besuchen sagen kann:
- Dezember: Oft regnerisch, Nebel im Tal, Temperaturen um 0–5°C. Wasserführung hoch. Nicht ideal für Fotografie, aber der Park ist leer. Wenn die Sonne kurz rauskommt, ist das Licht im Dezember-Nachmittagslicht am Wasserfall außergewöhnlich.
- Januar/Februar: Das ist mein Favorit. Bei Hochdrucklagen — und die gibt es in Nordwestbosnien auch im Winter — klarer Himmel, Frost in der Nacht, Reif am Morgen. Die Tage sind kurz (Sonnenaufgang ca. 7:30 Uhr, Sonnenuntergang 16:30 Uhr), also früh starten. Temperaturen -5°C bis +5°C.
- Schneelage: Im Tal um Bihać (ca. 230 m ü. NN) liegt selten tief Schnee. Weiter südlich Richtung Martin Brod (ca. 300–400 m) kann mehr liegen. Wettervorhersage für Bihać checken: yr.no oder meteoblue sind für die Region zuverlässiger als deutsche Wetter-Apps.
Konkret: Ich plane Winterbesuche im Una-NP immer kurzfristig — 3–4 Tage im Voraus, wenn eine Schönwetterphase in der Vorhersage steht. Das ist kein Urlaub, den man 6 Monate im Voraus bucht.
Unterkunft und Versorgung im Winter — was ich nutze
Bihać ist die einzige sinnvolle Basis für einen Winterbesuch. Die Stadt (ca. 50.000 Einwohner) hat das ganze Jahr über offene Hotels, Pensionen und Restaurants. Preise für eine Pension liegen im Winter bei ca. 35–50 € pro Nacht für ein Doppelzimmer (Stand 2025).
| Kategorie | Verfügbarkeit Winter | Preisrahmen |
|---|---|---|
| Hotel Bihać (Stadtmitte) | Ganzjährig | 40–70 € / Nacht |
| Pensionen Bihać | Ganzjährig | 25–45 € / Nacht |
| Camping Una Aqua Camp | Geschlossen Nov–März | 15 € / Nacht (Saison) |
| Pensionen Kulen Vakuf | Teils geöffnet, anfragen | 20–35 € / Nacht |
Supermarkt-Tipp: In Bihać gibt es mehrere gut sortierte Supermärkte (Konzum, Bingo). Im Park selbst und in Kulen Vakuf sind im Winter kaum Einkaufsmöglichkeiten offen. Ich kaufe in Bihać ein, bevor ich in den Park fahre.
Geld: Kartenzahlung in Bihać in größeren Geschäften und Hotels möglich, aber Bargeld (BAM) für den Parkeintritt und kleine Pensionen mitführen. Wechselstube in Bihać Stadtmitte zuverlässiger als Geldautomat.
Anreise im Winter — was Autofahrer wissen müssen
Bihać ist von Zagreb aus in ca. 1,5 Stunden erreichbar (über die kroatische A1 und Grenzübergang Izačić). Von Sarajevo sind es ca. 3,5 Stunden über Jajce. Die Straßen im Tal sind im Winter meist geräumt, aber:
- Winterreifen-Pflicht in BiH: 1. November bis 1. April
- Schneeketten mitführen: Pflicht
- Die Straße von Kulen Vakuf nach Martin Brod (ca. 20 km) ist kurvenreich und kann bei Schnee ungeräumt sein. Allradantrieb oder zumindest gute Winterreifen sind hier kein Luxus.
- Promillegrenze: 0,3‰ — das ist strenger als in Deutschland
Mein Fazit nach zwei Winterbesuchen im Una-NP
Der Nationalpark Una im Winter ist kein Urlaubsziel für alle. Es gibt wenig Infrastruktur, kurze Tage, und man muss bereit sein, flexibel auf das Wetter zu reagieren. Wer das akzeptiert, bekommt etwas zurück, das im Sommer schlicht nicht möglich ist: den Park in seiner ursprünglichen Form.
Štrbački Buk ohne einen einzigen anderen Menschen. Wolfsspuren im Schnee. Fischadler über dem Becken. Travertin-Terrassen im Reifrasen. Das sind keine Übertreibungen — das sind Dinge, die ich selbst gesehen habe, und die ich in keinem Sommer-Reiseführer finde.
Mein konkreter Rat: Plane 2–3 Tage, nutze Bihać als Basis, warte auf eine Schönwetterphase im Januar oder Februar, und starte am Eingang Gorjevac so früh wie möglich. Der Rest ergibt sich.
Marc Leitner ist ÖAV-Wanderführer und Autor von "Bosnien-Trails — 50 Wanderungen abseits der Massen" (Bergverlag Rother, 2024). Er hat den Una-NP in mehreren Saisons begangen und GPS-Daten für über 80 Routen in BiH dokumentiert.