Una-Aqua-Land: Schwimmen in versteckten Pools
Ivana Petrović zeigt die schönsten Naturpools im Una-Nationalpark
Autor: Ivana Petrović
Warum der Una mehr ist als ein Rafting-Fluss
Die meisten Besucher kennen den Una-Nationalpark durch zwei Bilder: das Panoramafoto von Štrbački Buk und die Gummiboote auf dem Wildwasser. Beides ist berechtigt. Beides greift zu kurz.
Ich war zuletzt im Juni 2024 für eine Feldkartierung im Unac-Tal unterwegs, und was mich jedes Mal wieder überrascht: Die eigentliche Magie des Una liegt nicht im Hauptstrom, sondern in den Seitenläufen, den Kalksteinbecken und den kleinen Kaskaden, die kein Schild ausweist. Der Una ist geologisch ein Paradebeispiel für Kalksteinkarst — das Wasser löst das Gestein über Jahrtausende auf, formt Stufen, Travertinbarrieren und Pools, die aussehen, als hätte sie jemand mit der Hand herausgeschnitten.
Genau diese Pools sind das Thema dieses Artikels. Nicht die Instagram-Spots, die jeder kennt. Sondern die Orte, an denen ich selbst schwimme — und die ich dir mit gutem Gewissen empfehlen kann.
Die Wasserqualität im Una-NP: Was die Biologie sagt
Bevor wir zu den konkreten Spots kommen, ein kurzer wissenschaftlicher Einschub — denn er erklärt, warum das Wasser hier so außergewöhnlich ist.
Der Una entspringt als Karstquelle und fließt durch nahezu unberührtes Kalksteingebirge. Das Wasser hat eine natürliche Filterwirkung durch das Gestein, ist extrem sauerstoffreich und führt kaum Schwebstoffe. Die Wassertemperatur liegt im Sommer je nach Abschnitt zwischen 14 und 20 °C — kühl genug, um wirklich zu erfrischen, warm genug, um länger im Wasser zu bleiben. Die Braune Forelle (Salmo trutta) und die Äsche (Thymallus thymallus), beide im Park heimisch, sind verlässliche Bioindikatoren: Wo sie schwimmen, ist das Wasser sauber. Ich habe in den Pools bei Lohovo beide Arten beobachtet — das ist kein Marketingversprechen, das ist Ökologie.
Wichtig: Sonnencreme vor dem Schwimmen abwaschen. Das klingt streng, aber der Nationalpark ist ein Schutzgebiet, und die Travertinformationen reagieren empfindlich auf chemische Einträge. Wer das ernst nimmt, schützt genau das, was er besuchen will.
Štrbački Buk: Das Wahrzeichen — und seine geheimen Nachbarn
Štrbački Buk ist mit seinen 24,5 Metern Fallhöhe und der charakteristischen Doppelkaskade das Aushängeschild des Parks. Die Wasserfälle liegen direkt an der kroatischen Grenze, der Zugang erfolgt über Kulen Vakuf. Eintritt: ca. 5 € (Stand 2024, vor Reise prüfen).
Direkt schwimmen am Wasserfall selbst ist nicht erlaubt und aus Sicherheitsgründen auch keine gute Idee — die Strömung unterhalb der Kaskaden ist heimtückisch. Aber: Etwa 200 Meter flussaufwärts, wo der Una sich in eine breitere Kurve legt, gibt es flache Kalksteinbänke und ruhige Buchten, in denen Locals seit Jahrzehnten schwimmen. Kein Schild, keine Absperrung, kein Eintritt. Einfach hinlaufen.
Mein Tipp: Dienstag bis Donnerstag, vor 10 Uhr. Am Wochenende im Juli und August kommen Tagesausflügler aus Bihać und auch aus Kroatien. Unter der Woche ist die Anlage fast leer, und du hörst nur das Wasser.
Die versteckten Pools bei Lohovo und Orašac
Das ist mein persönlicher Favorit im Una-NP — und der Ort, über den ich am wenigsten reden möchte, weil ich Angst habe, ihn zu ruinieren. Aber er verdient es, bekannt zu sein, wenn man ihn richtig behandelt.
Zwischen den Dörfern Lohovo und Orašac, etwa 12 Kilometer südlich von Bihać, formt der Una eine Reihe von Travertinbecken. Die Becken sind durch natürliche Barrieren voneinander getrennt, das Wasser ist klar bis auf den Grund (Sichttiefe 3–4 Meter), und die Umgebung ist dicht bewaldet. Hier habe ich im Juni 2024 meine Mittagspause verbracht — im Wasser, mit Forellen, die um meine Beine schwammen.
Der Zugang ist nicht ausgeschildert. Du fährst auf der Straße von Bihać Richtung Kulen Vakuf, biegst bei Lohovo auf einen Schotterweg ab und gehst etwa 15 Minuten zu Fuß. GPS-Koordinaten: 44.7231° N, 16.1987° O (Annäherungspunkt, nicht der exakte Badeplatz — der variiert je nach Wasserstand).
Was du brauchst: feste Wasserschuhe (die Travertinsteine sind rutschig), einen Rucksack mit Wasser und Snacks (keine Versorgung vor Ort) und die Bereitschaft, selbst zu suchen. Das gehört dazu.
Martin Brod: Milančev Buk und die Pools der Una-Unac-Mündung
Martin Brod ist das südlichste Dorf im Nationalpark und für die meisten Besucher zu weit weg. Das ist ihr Fehler, mein Glück.
Milančev Buk ist mit 54 Metern der zweithöchste Wasserfall im Park — und bei weitem der eindrucksvollste, den du fast allein siehst. Direkt an der Mündung des Unac in die Una bildet der Fluss eine natürliche Badestelle, die von Einheimischen aus Martin Brod genutzt wird. Das Wasser ist hier etwas wärmer als flussaufwärts, weil der Unac flacher und breiter ist.
Ich war im September 2023 hier, nach einer langen Kartierungstour im Unac-Tal. Das Wasser war 17 °C, die Luft warm, und außer mir war niemand da. Das Dorf hat zwei kleine Pensionen (ca. 25–35 € pro Nacht, vor Reise prüfen), und wer hier übernachtet, hat die Wasserfälle morgens für sich.
„Der Una ist einer der wenigen Flüsse Europas, bei dem ich als Biologin noch echte Wildnis erlebe. Nicht weil er unberührt ist — er ist es nicht vollständig — sondern weil die Karstlandschaft so komplex ist, dass sie sich dem Menschen entzieht."
Kulen Vakuf: Der unterschätzte Ausgangspunkt
Kulen Vakuf ist das touristische Zentrum des Una-NP und Ausgangspunkt für die meisten Rafting-Touren. Das klingt nach Trubel, ist es aber nur an der Raftingbasis selbst.
Etwa einen Kilometer flussabwärts vom Ort, wo der Una eine Rechtskurve macht, gibt es eine breite Kiesbank mit ruhigem Wasser. Lokale Familien kommen hierher am Nachmittag. Das Wasser ist flach (0,5–1,5 Meter), der Untergrund sandig-kiesig, ideal für Kinder oder für alle, die nicht in tiefe Pools springen wollen.
Kulen Vakuf selbst hat mehrere Pensionen und einen kleinen Laden. Wichtig: Bargeld mitnehmen — Kartenzahlung ist außerhalb von Bihać im Una-NP unzuverlässig.
Praktische Infos: Una-NP Schwimmen — Fakten auf einen Blick
| Spot | Zugang | Wassertiefe | Beste Zeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Štrbački Buk (flussaufwärts) | Kulen Vakuf, NP-Eingang (ca. 5 €) | 0,5–2 m | Juni–September | Nähe zum Wasserfall, Kalksteinbänke |
| Lohovo-Pools | Schotterweg ab Lohovo, 15 min Fußweg | 2–4 m | Mai–September | Travertinbecken, kaum Besucher |
| Martin Brod / Unac-Mündung | Direkt im Ort, kostenlos | 1–3 m | Juli–September | Wärmeres Wasser, Milančev Buk in Sichtweite |
| Kulen Vakuf Kiesbank | 1 km flussabwärts vom Ort | 0,5–1,5 m | Juni–September | Flach, familientauglich |
Eintritt Una-NP: ca. 5 € (Stand 2024/25, vor Reise prüfen). Gilt für die offiziellen Zugänge. Die Seitenspots sind teils ohne Eintritt erreichbar, aber die NP-Gebühr unterstützt den Schutz des Gebiets — zahlen lohnt sich.
Anreise: Bihać ist das Tor zum Park. Ab Bihać mit dem Auto in 20–40 Minuten zu den meisten Spots. Kein öffentlicher Nahverkehr in den Park hinein.
Übernachten: Una Aqua Camp in Bihać (ca. 15 €/Nacht), Pensionen in Kulen Vakuf (ca. 25–35 €) und Martin Brod (ca. 25–35 €).
Sicherheit: Strömung im Hauptstrom unterschätzen viele. Nie allein in unbekannte Pools. Wasserschuhe sind Pflicht auf Travertin. Minen-Warnung: Wege nie verlassen — das Una-Tal gilt als weitgehend geräumt, aber abseits markierter Pfade gilt in BiH generell erhöhte Vorsicht. BHMAC-Karten konsultieren.
Wann ist die beste Zeit zum Schwimmen im Una-NP?
Juni ist mein persönlicher Favorit: Das Wasser führt noch gute Mengen aus der Schneeschmelze, ist kristallklar, und die Touristensaison hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht. Die Wassertemperatur liegt bei 14–16 °C — frisch, aber machbar.
Juli und August sind die wärmsten Monate (Wassertemperatur bis 20 °C), aber auch die vollsten. Wer zu den Lohovo-Pools will, sollte unter der Woche fahren.
September ist für Schwimmer und Wanderer gleichermaßen ideal: weniger Besucher, angenehme Temperaturen, das Laub beginnt sich zu färben. Die Wasserstände sind niedriger, was manche Pools flacher macht — dafür sind die Travertinformationen besser sichtbar.
Oktober ist für Schwimmen zu kalt, für Wandern und Fotografie aber wunderschön.
Mein Fazit nach zwölf Jahren Feldarbeit in BiH
Ich forsche seit über einem Jahrzehnt in bosnischen Nationalparks, hauptsächlich im Sutjeska. Aber der Una-NP hat eine Qualität, die ich nirgendwo sonst in Bosnien gefunden habe: Er ist zugänglich, ohne seine Wildheit verloren zu haben. Die Pools bei Lohovo sind nicht weniger spektakulär als die Plitvičkih Jezera — sie sind nur nicht ausgeschildert, nicht überlaufen, und man muss bereit sein, sie zu suchen.
Das ist mein ehrlicher Rat: Komm in den Una-NP nicht nur für das Rafting-Erlebnis. Komm für das Wasser selbst. Für die Stille der Travertinbecken am frühen Morgen, für die Forellen, die du unter dir siehst, für das Gefühl, in einem der letzten wirklich sauberen Flüsse Europas zu schwimmen.
Und lass die Sonnencreme bitte im Rucksack.
— Ivana Petrović, Biologin im Sutjeska-NP, Banja Luka